VHS BarCamp „Impulse für das Lernen 2.0“ in Köln

 

Über hundert „Teilgeber“ aus VHS und anderen Einrichtungen haben sich in Köln am 16. und 17. Mai 20014 zu einer methodisch speziellen Konferenz getroffen, um sich über Themen des Lernens im Netz und über online-Marketing auszutauschen. Die Konferenzform „BarCamp“ ist der Methode des Open Space nachgebildet, nur mit dem Unterschied, dass das Einbringen von Themen durch die „Teilgebenden“ und deren Selbstdarstellungen bereits im Vorlauf auf einer Netzplattform möglich war. In Köln waren fünf Räume reserviert, und es gab im Stundentakt (45 min Session, 15 min Pause) über den Tag verteilt 5 Sequenzen, so dass maximal 25 Sessions an einem Tage durchgeführt werden konnten. Die Festlegung der Themen und Raumzuweisung erfolgte innerhalb einer viertel Stunde zu Beginn des Tages.

Die Schlange der Teilgebenden vor Ihrer Kurzvorstellung

Die Schlange der Teilgebenden vor Ihrer Kurzvorstellung

Die Ideengeber sollten ihre Vorstellung mit drei Sätzen bewerkstelligen. Die Sessions wurden selbstorganisiert ohne Auflagen durchgeführt. Reine Gesprächsrunden, Powerpointvortrag mit Diskussion, oder Vorführung eines Videos wechselten miteinander ab. Die Teilgebenden waren gebeten, ihre mobilen Netzgeräte mit zu bringen, so dass während einer Session ein entsprechend vorbereitetes Dokument angeklickt werden konnte, in das unmittelbar Thesen und Teilergebnisse protokolliert wurden. Das funktionierte erstaunlich gut, die obligate Frage, wer schreibt das Protokoll, musste nicht gestellt werden.

 

Teilgebende studieren den Sessionplan

Teilgebende studieren den Sessionplan

Das Raumangebot war nicht zu üppig geplant, es fanden 45 Sessions statt. Es gab generelle „WEB“-Themen, wie „informelles Lernen im Web 2.0, oder „Trends der betrieblichen Weiterbildung“, es gab Projektvorstellungen, wie „Blended Learning / Projekt xpert Fibu“, oder „Aufbau eines Fotoblogs“, es gab vhs-interne Organisationsthemen, wie „Perspektiven und Herausforderungen für Dozent_innen“ oder „wie kann ich das barcamp spirit in meine vhs tragen?“. Ich persönlich hatte den Eindruck, dass von den 5 parallel angebotenen Fragestellungen immer mindestens eine dabei war, die ich spannend fand. Ein Barcamp zielt mehr auf Expertenaustausch, als auf Theorievermittlung, insofern war der Beteligungsgrad der Teilgeber sehr viel höher als auf einer „normalen“ Konferenz. Die reichlich geplanten Pausen gaben genügend Raum für weiteres Diskutieren, und für die Entscheidung, in welche Session man als nächstes wollte. Im letzten Einladungsschreiben des Mitorganisators Karlheinz Pape wurde auf lockere Kleidung, „Du“ als Konferenzsprache und und „gleiche Augenhöhe“ aller Beteiligter hingewiesen. Das kam gut an, die Atmosphäre war sehr entspannt, und am Samstag war sogar noch eine Zunahme an Diskussionsbeteiligung zu bemerken. Rundum hörte ich viel Zustimmung zu diesem Konferenzformat. Die Kölner VHS hat den Rahmen großartig organisiert. Mit Sponsoring und einem kleinen Tagungsbeitrag konnte ein reichhaltiges Catering mit steter Getränkeversorgung vorgehalten werden, was sicher auch zur guten Stimmung beitrug.

 

Die Session Karleinz Pape zur Betrieblichen Weiterbildung

Die Session Karleinz Pape zur Betrieblichen Weiterbildung

Die Diskussionsstränge in den Session verliefen zwischen Euphorikern, offen Eingestellten und Kritikern, was die Zukunft und die Nutzung von WEB 2.0 im VHS-Kontext betrifft. Man darf davon ausgehen, dass von den VHS natürlich die natzaffinen anwesend waren, so dass insgesamt doch eine recht erwartungsfreudige Stimmung auf neue Möglichkeiten von webbasierten, bzw. webunterstützen Formaten in VHS vorherrschte. Kontroverse diskutiert wurde z.B. zur Frage des lernenden Subjekts. Die Webeuphoriker preisen den autonomen Lerner und predigen, dass man den Lernenden viel mehr zutrauen, und nicht in die Wahl ihrer Ziele, Methoden und Inhaltswünsche einschreiten sollte. Während die mehr pädagogisch orientierten den autonomen Lernenden so nicht akzeptieren wollten, sondern für notwendige Stützen beim Lernenden für ein Heranführen an Selbstlernkompetenz plädierten. Dass informelles Lernen EU-weit als gleichberechtigt neben formalem und non-formalem Lernen gestellt wird (Session mit Dehnbostel), kennzeichnet die Tendenz des Outsourcens aus organisierten Bildungsveranstaltungen, was man als eine Befreiung des autonomen Lern-Subjektes feiern kann, aber auch als Rationalisierungsmaßnahme der Wissensgesellschaft, die die gesellschaftliche Verantwortung für das Lernen dem Markt übergibt. Diese und viele andere Thesen wurden in den Sessions gut diskutiert, das ergab viele Impulse, und natürlich keine unmittelbaren Antworten. (vgl. auch Blogbeitrag des Teilgebers Friedrich-A. Ittner zum Thema „Lernkultur“).

Insgesamt gilt Lob den Veranstaltern und den begeisterten Teilgebenden. Das nächste BarCam wurde bereits fürs nächste Jahr beschlossen. Veranstaltungsort ist die VHS Leipzig. Wer twittert kann mit dem Hashtag #vhscamp14 viele positive Tweets nachlesen.

Ganz informativ ist folgendes slideshare von Stefan Everts:

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