Das ReCode Projekt

Skype in DAM-Gallery

Skype in DAM-Gallery

In der DAM Galerie Frankfurt (Gutleutstrasse 17) gab es am 27.8.13 eine Skypepräsenz von Matthew Epler, dem Entwickler des recode project. Eingeladen hatten die NODE-Akteure des Node-Forum for Digital Arts. Matthew Epler, ein New Yorker Digital Arts Künstler hatte die Idee, eine Plattform zu erstellen, auf die er frühe digitale Plotter Drucke aus einer in den 70ern erschienen Zeitschrift für Computerkunst stellt, und die Community auffordert, diese Bilder zu „recoden“, d.h. sie sollen mit moderner Programmiersprache neu reproduziert werden, wobei der Erstellungscode open source ist, d.h. von jerdermann erworben und frei verändert werden kann. Epler zählt dafür drei Gründe auf:

  1. Die Pionierarbeiten der digitalen Kunst sollen neu zirkuliert werden.
  2. Es sollen Lernmöglichkeiten für gegenwärtige Praktiker und Lehrende generiert werden.
  3. Es soll eine aktive Community zum Austausch darüber entstehen.

Mit der eher pädagogischen Absicht, junge Künstler und Studierende zu bewegen, sich mit den „Klassikern“ der digitalen Kunst zu beschäftigen, hatte niemand Probleme. Aber was passiert, wenn man mit neuem Code ein Kunstwerk aus einer anderen Epoche technisch reproduziert, darüber wurde intensiv diskutiert. Der Galerist zitierte Briefe von damaligen Künstlern, die sich gegen jegliche Versuche verwahren,  diese Objekte der 70er Jahre einfach zu reproduzieren, und ihnen damit ihre Authentizität und ihre ganz andere zeitgenössische Legitimität zu rauben. Die Node-Leute gingen der Frage nach, wo liegen die Grenzen zwischen Endprodukt und technischer Generierung, d.h. ist der Code Teil der Kunst? Und wenn ja, ist das recodete Objekt ein Anderes gegenüber dem Original? Wie steht es mit dem Copyright im Kontext vo Open Source? Auf all diese Fragen gab es auch vom skypenden Epler keine eindeutigen Antworten.

Neben dem ReCode-Projekt von Matthew Epler gibt es auch die Plattform RHIZOME , die sich mit der Präsentation digitaler Kunst beschäftigt (Rhizome is dedicated to the creation, presentation, preservation, and critique of emerging artistic practices that engage technology). In der Processing-Szene (eine open source Programmiersprache mit Entwicklungsumgebung für elektronische Kunst) wird der Ansatz von Matthew Epler heftig diskutiert. In Wikipedia findet man noch keinen Eintrag zum ReCode-Projekt.

Es scheint der digitalen Kunst der respektable Markt und die Kunsthistoriker-Szene zu fehlen, die eine Entwicklungsgeschichte erzählen könnten. Insofern ist das ReCode Projekt eine guter Anlass die frühen digitalen Schöpfungen aus der Computeranfängerzeit entsprechend zu würdigen.

 

 

 
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