Auftakt #COER13

COER13Heute habe ich zum ersten mal an einem MOOC (massive open online course) teilgenommen, mit den Problemen, die man da wohl generell noch zu erwarten hat. Auf der Plattform Adobe Connect, wurden über 100 Teilnehmende begrüßt und in das Kurskonzept eingeführt, aber da ruckelte das Video, und selbst nach Abschalten kamen bei mir nur Bruchstücke des Tons und der gezeigten Seiten an. Immerhin aus dem begleitenden Chat und dem, was ich verstand, konnte ich mir einen Reim machen. Unsere Moderatoren kommen von verschiedenen Einrichtungen (Österreich und Deutschland) mit unterschiedlichen Bandbreiten, und wo das zusammengeführt wird war es dann wohl zu eng in der Bandbreite angesichts der (relativ) großen Teilnehmendenzahl (insgesamt sind schon über 900 eingetragen). Die Veranstalter versprachen Verbesserung.

Beim Thema OER geht es um „Open Educational Ressources“, also der Frage, wie kann man heute offen zugängliches Lehrmaterial generieren? In Einführungsvideos wird darauf hingewiesen, dass die gängige Praxis an Universitäten, Teile von orignalen, copyright geschützten Texten in den Seminaren oder auf Onlineplattformen zur Verfügung zu stellen, nur grenzwertig legal ist. Es herrscht wohl weit über die Piraten hinaus relativer politischer Konsens, dass öffentlich produzierte Forschungsergebnisse auch öffentlich und möglichst leicht verfügbar sein sollen. Aber wie man das macht, und gleichzeitig die Qualitätsstandards der klassichen Publikationsriten (z.B. peer-review) einhält, das ist wohl keine einfache Frage. Ich bin im sozialwissenschaftlichen Feld bislang immer ein Gegner von „Content“ (=Lehrinhalte) Erstellung für pädagogische Zwecke gewesen. Um die Jahrhundertwende wurde mit großem Steuermittelaufwand viel Geld verbrannt, in dem unsinnig Content produziert wurde, den dann doch keiner haben wollte. Der klassische Schul- und Hochschullehrer pfriemelt eben doch seine Unterrichtsmaterialien gerne selbst zusammen, und nutzt dazu nur, was seinem Stallgeruch Genüge tut. Aber die Zeiten der Arbeitsblätter sind vorbei. Die Neuen Medien bringen ganz andere Möglichkeiten und neue Dimensionen in das Lehrmaterial, die Ansprüche steigen, die Anzahl der zu bedienenden Lernenden wächst, etc. d.h. es muss hier neu gedacht werden.

Aus pädagogischer Sicht bin ich heute noch der Meinung, wenn unsere Lernenden in die Arbeitswelt entlassen sind, müssen sie ihre Probleme ohne Lehrmaterial lösen können. Sie werden am Arbeitsplatz lernen, im Netz recherchieren, face-to-face Netze nutzen, etc. da müssen sie sich immer mit Originalen auseinander. Also sollten sie bereits im Lernprozess mit den Originalen konfrontiert werden.

So gibt es wohl zwei Stränge in der OER-Bewegung, der erste besteht darin, dass die wissenschaftlichen Materialien so publiziert werden, dass sie mit bestimmten Lizenzbedingungen frei zugänglich sind, d.h. wir dürfen die Originale legal im Lehrprozess nutzen. Der zweite Strang zielt darauf, pädagogisch aufbereitete Materialien herzustelln, die dann gleich unter „creative commons“ publiziert werden, so dass sie im Lehrkontext nutzbar sind. Vor allen in den Naturwissenschaften, oder immer dann, wenn  Theorien zum besseren Verständnis illustriert werden können, ist ein pädagogisch aufbereites Material wohl sinvoller, als die mühsame Lektüre einer Forschungsarbeit dazu.

Unabhängig vom Thema bin ich auch sehr gespannt, wie das MOOC, d.h. das offene Lernen auf ganz unterschiedlichen Medien, in Teilnetzen, jedenfalls ungebunden an einen einzigen (virtuellen) Klassenraum, vonstatten gehen wird. Ich werde dazu weiter berichten. Erfahrungsbeiträge sind willkommen.

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